Zweifelsohne ist es für mich unerlässlich, dass ein Hund ausreichend Sozialkontakte
hat.
Dies bezieht sich aber aus meiner Sicht nicht ausschliesslich auf Artgenossen ...
im Gegenteil sollte man gerade bei diesem Thema sehr sensibel vorgehen.
In unseren Köpfen schwirrt nach wie vor der Wunschgedanke, dass alle Hunde miteinander auskommen sollten ... doch ist das auch realistisch?
Ich denke nein ...
ein Hund hat, wie wir Menschen, einen besonderen Draht zu gewissen Persönlichkeiten ... und dies sollte man immer respektieren.
Ebenso mögen auch wir Menschen bei weitem nicht jeden "Artgenossen" aus vielerlei Gründen ... auch umarmen und küssen wir nicht jeden Menschen, der uns begegnet ... im Gegenteil grüsst
man sich höchstenfalls freundlich und zieht weiter seiner Wege.
Und so sollten wir dies auch unseren Hundeschätzen zugestehen.
(Beispiel: Konflikt)
Wir können aber von unserem Hund durchaus verlangen, dass er sich gegenüber Anderen höflich und respektvoll verhält. (... wenn wir ein gutes
Vorbild sind ...)
Wir haben seinerzeit felsenfest geglaubt, dass soviele freie Kontakte wie möglich
(mit unterschiedlichsten Charakteren) sinnvoll seien, damit Marley Sozialverhalten lernt.
Das Ergebnis war jedoch, dass Marley sehr schnell lernte, andere einzuschätzen, selbstständige Entscheidungen zu treffen, zu manipulieren, zu dominieren.
Wir dachten jedoch, dass er dies tue, weil eben andere Hunde viel toller und interessanter sind als wir Menschen ... immerhin "freute" er sich doch immer so sehr, wenn er andere Hunde sah
(Leine ziehen, Schwanzwedeln ...).
(Beispiel: Konflikt)
Erst später wurde uns bewusst, dass dies keine Zeichen der Freude waren ... im Gegenteil war Marley ständig nervös, beobachtete seine Umwelt genau, konnte nie abschalten ... er wollte immer nur "spielen" und "kontrollieren".
Dann kam uns Marleys Krankheitsgeschichte in die Quere ... aufgrund einer
Wirbelsäulenschwäche wurde uns angeraten, Marley nur noch angeleint zu führen ... ihn ruhig zu halten und ihn vor allem nicht mehr mit anderen Hunden toben zu lassen.
Das war ein Schock !
Doch schon bald erlebten wir, dass Marley sehr viel ruhiger und gelassener wurde
... andere Hunde (mal abgesehen von seinen Freunden) interessierten ihn überhaupt nicht mehr ... im Gegenteil zog er es schnell freiwillig vor, höfliche Bögen um entgegen kommende Hunde zu
laufen.
Auch sein Körper entspannte immer mehr ... er kontrollierte auch nicht mehr die Umgebung ... sondern wurde immer lockerer.
Wir erkannten, dass uns eine einmalige Chance gegeben wurde, Marley besser
kennenzulernen, als wir es je für möglich gehalten hätten.
Wir betrachteten die Leine nicht mehr als Zwang, sondern als Bindeglied zwischen uns und Marley ...
So wuchsen wir viel enger zusammen und konnten Stimmungsschwankungen und Unsicherheiten viel schneller erfühlen. Zeigte Marley Unstimmigkeiten waren wir gleich bei ihm, um ihm zu zeigen, dass wir
das im Griff haben und er sich entspannen kann.
Dies alles nahm Marley dankbar an ... und all unsere ehemaligen Probleme lösten sich wie von selbst.
Wir sind aus dieser Erfahrung heraus zu dem Ergebnis gekommen, dass uns Sozialkontakte zwar immer noch wichtig sind, aber sie sollten kontrolliert statt finden !
Heute lassen wir Fremd-Kontakte nur noch zu, wenn BEIDE "Parteien" sich ruhig und
unterordnungsbereit zeigen.
Sind sich beide dann auch noch sympathisch, darf auch gerne eine "Sequenz" gespielt werden ... diese sollte aber keinesfalls länger als drei Minuten andauern ("Etwa-Wert").
Hunde schaukeln sich im "Spiel" gerne hoch ... und daraus kann schnell eine Beisserei entstehen ... wir Menschen beschreiben solche Zwischenfälle dann gerne mit " wie aus dem Nichts ..." - "ganz
plötzlich ....".
Jederzeit sollte auf die jeweilige Körperhaltung geachtet werden ... um jegliche Aggression im Keim zu ersticken.
(Beispiel: Konflikt)
Betrachten wir es doch einmal aus Hundesicht:
Ein Hund in freier Wildbahn hat keinerlei Intention, sich mit einem "Rudelfremden" abzugeben ... eher wird er ihn als Konkurrent, Eindringling und/oder Gefahr ansehen.
Wir Menschen zwingen unsere Hunde aber nun zu genau diesen Kontakten ... warum eigentlich?
Ich behaupte, dass wir dies tun, weil in unserem Schädel bei Hundebegegnungen
eine Art "Kopfkino" stattfindet.
Wir Menschen finden es schön und süss und herrlich, die Hunde beim "Spielen" zu beobachten ... sieht es ja auch für unser Auge oftmals sehr herzlich aus.
Jedoch machen wir, wie so oft, den Fehler, den Hund zu vermenschlichen ... wir interpretieren unsere Gefühle und Ansichten in das Verhalten der Hunde hinein.
Zudem ist der eher "faule" Hundebesitzer doch auch oft sehr glücklich, wenn sein Hund nach viel Toberei mit Artgenossen in tiefen Erholungsschlaf verfällt ... er fühlt sich bestätigt, dass
das alles doch auch für den Hund ein Traum sein muss.
Nur leider ist dies eher oft ein Albtraum für den Hund !
(Beispiel: Konflikt)
Denn Artgenossen-Begegnungen bedeuten IMMER Stress für einen Hund ... man kann hier
sicher auch zwischen positivem und negativem Stress unterscheiden ... aber eins bleibt bestehen: Stress !
Unser Hund ist nachher nicht müde vom "Spielen" ... sondern vom Stress, der ihm auferlegt wurde.
Was für uns aussieht wie ein Spiel, ist für den Hund eine geistige und körperliche Höchstleistung ... dessen Sinn ihm sich in der Regel gänzlich verschliesst.
Die Hündin findet es beispielsweise nicht lustig, immer wieder besprungen zu
werden.
Der Rüde mag es auch nicht, ständig provoziert zu werden ... er hat auch gar keine Lust immer und überall seine Macht zu demonstrieren.
All dies überfordert unsere Hunde doch mehr als wir es ihnen eingestehen wollen.
(Beispiel: Konflikt)
Um solch einer Überforderung entgegen zu wirken, halte ich es für sinnvoll, jeglichen Kontakt zu kontrollieren ... Aggressions- und Unsicherheitsverhalten im Keim zu ersticken, dem Hund Sicherheit und Führung zu geben, in regelmässigen Abständen für Ruhe und Entspannung zu sorgen und sämtliche Höflichkeitsregeln der Hunde- und Menschenwelt zu befolgen.